Umluftkühlgeräte weiter betreiben?

In der DIN 1946-4 von 2018 wurde erstmals gefordert, dass im medizinischen Bereich dezentrale Lüftungsgeräte, das heißt z.B. Umluftkühlgeräte, eine zweistufige Filterung haben müssen. Bisher wurden diese Geräte (Splitgeräte) überwiegend nur mit einem Grobfilter am Eingang zum Geräteschutz betrieben.
Nach den Veröffentlichungen zu Tönnies haben nun die Arbeitsschutzausschüsse beim Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung ein Papier herausgebracht, nach dem der Umluftbetrieb von RLT-Anlagen, die nicht über eine geeignete Filtration verfügen, zu vermeiden sei. Mit geeigneter Filtration werden HEPA-Filter gemeint.
In gleicher Weise hat das Umweltbundesamt Stellung genommen.
Hierzu ist zu bemerken, dass die Situation bei Tönnies überhaupt nicht vergleichbar ist mit der Situation z.B. in Krankenhäusern. Des Weiteren lassen sich die Übertragungen bei Tönnies auch hinreichend durch einfache Mensch-zu-Mensch-Übertragungen erklären. Zu dem gesamten Komplex der Umluftkühlgeräte gibt es praktisch überhaupt keine Literatur. Wir selbst hatten vor fast 20 Jahren einmal Geräte am Universitätsklinikum Essen untersucht und dies in einem Poster veröffentlicht (siehe Anhang). Wir waren damals verwundert, dass die Räume mit den sehr einfachen Umluftkühlgeräten tendenziell bessere Luftqualitäten hatten als Räume ohne. Heute würden wir dies damit erklären, dass durch die Umluftkühlgeräte, auch ohne Filter, ein gewisser Anteil der Aerosole und Tröpfchen auskondensiert wird und damit auch Viren aus der Luft herausgeholt werden. Vor diesem Hintergrund und auf Basis dieser einzigen Untersuchung (weitere sind uns nicht bekannt) halten wir es für vertretbar, Umluftkühlgeräte an sehr heißen Tagen vorläufig weiter zu betreiben. Dies sollte allerdings mit der Hygienekommission und der Geschäftsführung abgesprochen sein unter ausdrücklichem Verweis, dass dies entgegen den offiziellen Verlautbarungen beziehungsweise entgegen der DIN 1946-4 erfolgt.
Als Nebenaspekt möchten wir darauf hinweisen, dass eine Nachrüstung mit Filtergeräten sehr teuer und problematisch sein wird, da die Geräte auch wesentlich größer sein werden und viel mehr Energie verschlingen. Gleiches gilt für den hohen Anteil von Außenluft, der derzeit ständig gefordert wird. Diese muss im Winter mit einem massiven Energieaufwand erwärmt werden. Wie dies mit den Klimazielen der Bundesregierung zusammenpassen soll, ist für uns ein Rätsel.

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